Juni 3

ETFs sind doch sicher und billig – warum sollte ich da einen Fonds kaufen?

Dieses Thema ist nicht neu – und wird immer wieder mal in der Fachpresse aufgegriffen. Das führt dann dazu, dass Anleger in aktiv gemanagten Fonds verunsichert werden und Neueinsteiger im Investmentfondsbereich davon überzeugt sind, dass eine Anlage in ETFs das Allheilmittel schlechthin ist.
Nun habe ich die letzten Jahre in der Vermögensverwaltung eines der größten deutschen privaten Vermögensverwalter gearbeitet und dort die Depots meiner Kunden (alles HNWI oder UHNWI, bezogen auf ihr Gesamtvermögen) gemanagt. Dieses Kundenklientel ist sehr kostensensibel, so dass das Thema ETF auch hier, zumindest in den Erstgesprächen, einen gewissen Stellenwert einnahm. Man mag dazu stehen wie man will – Statistiken besagen, dass nur ein geringer Anteil an aktiven Fondsmanagern ihren jeweiligen Vergleichsindex schlägt.
Somit scheint ein (aktiver) Fondsmanager überflüssig. Darauf werde ich in weiter unten im Beitrag noch eingehen. Jetzt geht es mir erst einmal darum, zu zeigen, was ETFs eigentlich sind und welche Unterschiede es dabei gibt – und wo die Gefahren lauern.
ETF ist die Abkürzung für Exchange-Traded Funds ( „börsengehandelter Fonds“). Dahinter verbergen sich sogenannte „passive“ Fonds. Diese gibt es in verschiedener Ausgestaltung. Ein sehr wichtiger Punkt ist dabei die Art der Index-Nachbildung. Hier wird unterschieden in Voll-Replikation, Sampling und Swap-Basis. Hier kurz die Unterschiede der einzelnen ETF-Ausgestaltungen:
Ein voll-replizierender ETF kauft alle Einzeltitel des zugrundeliegenden Index tatsächlich in das Fondsdepot.
Ein Sampling-ETF bildet nicht den kompletten Index nach, sondern begrenzt sich auf die für die Indexperformance notwendigen Titel. So kann er der Indexperformance relativ nahe kommen, spart aber Kauf- und Verkaufsgebühren, da er weniger Titel kaufen muss.
Jetzt wird es wichtig: Die Performance von Swap-basierten ETFs basiert auf einem Performance-Tauschgeschäft. Die tatsächlich im ETF enthaltenen Werte müssen nichts mit dem Index zu tun haben, den der ETF nachbildet. So ist es durchaus üblich, dass ein ETF auf den DAX hauptsächlich japanische Titel im Depot hält. Der Swap-Partner übernimmt die Performance des Fondsvermögens und gleicht die Performance-Differenz zum DAX täglich über ein separates Konto aus. Hierbei ist die Bonität des Swap-Partners entscheidend. Zwar gibt es Obergrenzen bezüglich der Gewichtung einzelner Swap-Partner, aber dennoch besteht bei dieser Art der ETF-Ausgestaltung ein gewisses Maß an Insolvenzrisiko auf Seiten des Swap-Partners.
Somit kann man nicht pauschal sagen, ETFs seien Insolvenz-sicher, da es sich auch um Investmentfonds handele. Dies gebe ich bei der Auswahl der ETFs zu bedenken.
Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, vor einem Kauf verschiedene ETFs auf denselben Index zu vergleichen und zu prüfen, ob es sich um einen Swap-basierten oder um einen replizierenden Fonds handelt – diesen würde ich dann bevorzugen.
Ein weiteres Thema beim Punkt Sicherheit ist der Idee der ETFs geschuldet. Sie sollen einen Index nachbilden – nicht mehr und nicht weniger (klar gibt es mittlerweile auch Strategie-ETFs, ich spreche aber von der ursprünglichen Idee). Hier kommt jetzt ein wichtiger Punkt: sind die Märkte im Crashmodus, wird auch der ETF nach unten crashen. Es gibt hier kein aktives Eingreifen eines Fondsmanagers, der die Reißleine ziehen kann, Absicherungen ins Depot aufnehmen kann oder einfach Liquidität schafft. Spätestens jetzt sollte der aktive Fondsmanager beweisen, dass er sein Geld wert ist und entweder Verluste vermeiden oder aber zumindest im Vergleich zum ETF deutlich begrenzen kann. Gute Fondsmanager schaffen das. Das beruhigt die Nerven der Anleger ungemein – ich spreche da aus Erfahrung.
Kennen die Märkte nur den Weg nach oben, haben die aktiv gemanagten Standardfonds öfter das Nachsehen, da dann tatsächlich die höheren Kosten am Wertzuwachs knabbern. Dennoch hat aktives Fondsmanagement für mich den höheren Stellenwert und es ist durchaus möglich, ein aktiv gemanagtes Fondsdepot zu erstellen, dass in Crashphasen weniger als die Indizes verliert und in Boomphasen mithalten kann. Und das rechtfertigt aus meiner Sicht definitiv die höheren Gebühren. Spätestens nach einem Crash, den der ETF-Investor ungebremst mitmacht, kommen bei einer Neustrukturierung des Depots auch aktiv gemanagte Fonds zum Einsatz.
Wie man beides kombinieren kann und sich so quasi das Beste aus zwei Welten ins Depot holt, zeige ich in einem späteren Beitrag.

Euer Wohlstandsmentor
Klaus Zwingmann (CFP®-Professional)


Tags


You may also like

Finanzplanung rettet Ihren Lebensstandard Teil 3

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Subscribe to our newsletter now!

>