August 30

Staatliche Zuschüsse nutzen – Riester/Rürup

Ich gebe es zu – nicht gerade mein Lieblingsthema und noch dazu sehr umstritten.
Riester/Rürup hat man entweder und lässt es laufen; oder man hat es nicht und denkt meist nicht im Traum daran, etwas Derartiges abzuschließen. Unflexibel und, noch viel wichtiger, einfach nur teuer. Was da an Provisionen und Vertragsgebühren runtergeht, frisst doch eh alle Erträge auf. Also was soll das? Warum sollte ich sowas abschließen?Die Frage habe ich mir selber sehr, sehr lange gestellt – während meiner Ausbildung zum Bankkaufmann, im Betriebswirtschaftsstudium und in meiner Zeit als Kundenberater bei der Commerzbank. Ihr merkt es sicher, Überzeugung sieht anders aus. Das führte natürlich dazu, dass meine Kunden im Vergleich zu denen anderer Berater deutlich weniger Riester-/Rürupverträge hatten. Meine Abschlüsse lagen ziemlich beständig bei „Null“ (dafür waren meine Kunden immer gut im Investmentbereich aufgestellt und zufrieden 😊). Lange Rede, kurzer Sinn: ich muss von einem Produkt überzeugt sein, bevor ich es meinen Kunden empfehle. Wenn irgend möglich, teste ich vorher mit eigenem Geld. Nur so kann ich wirklich sicher sein, dass ich hinter einer Empfehlung stehen kann. Zurück zu meinen (Nicht-)Abschlüssen: als Konsequenz daraus „durfte“ ich ein Seminar besuchen, in dem es um das Thema – Überraschung! – Riester/Rürup ging. Meine Erwartungen könnt ihr euch sicher vorstellen. Der Referent war aus Luxembourg angereist (Sitz der Gesellschaft) und hatte sichtlich Spaß an dem Thema. Ich immer noch nicht. Doch plötzlich warf er eine Folie an die Wand, die mich aus meiner Lethargie riss. Die Folie zeigte, wie so oft, die Riesterbeiträge abhängig vom Einkommen sowie die staatliche Förderung inkl. Kinderzulage. Soweit erstmal nichts Neues. Jetzt kam aber der für mich entscheidende Punkt: Der Referent hatte auch die Steuerrückerstattungen über die Steuererklärung mit aufgeführt. Und diese Zahlen, insbesondere die Interpretation daraus, hatten es in sich. Über die Laufzeit bis zum Renteneintritt sammelt sich da ganz ordentlich was an. Die jährliche Zulage haben die meisten Vertragsbesitzer und Berater ja präsent, die ist greifbar. Bei der Steuerrückerstattung schaut es dann schon etwas anders aus. Hier wird es für jeden Kunden individuell, somit eigentlich für den Bankberater mit der zur Verfügung gestellten Software fast nicht zu berechnen.
Dabei ist das aus meiner Sicht der entscheidende Faktor: Der Referent hat anhand eines Beispielkunden aufgezeigt, dass die jährlichen Zulagen plus die aus dem Vertrag resultierenden Steuererstattungen dazu führen, dass bei Renteneintritt die gezahlten Beiträge durch diese beiden Komponenten zu einem großen Teil bezahlt sind, den Sparer also nichts kosten. Komplett geht die Rechnung dann auf, wenn man von seinem Recht auf Teilauszahlung i.H.v. 30% des angesammelten Kapitals Gebrauch macht. Denn dann ist es bei einem Großteil der Verträge so, dass die jährlichen Zulagen + Steuererstattungen + die Kapitalteilauszahlung = Summe der geleisteten Einzahlungen entsprechen. Rechnet man wie bisher, hat man seine eingezahlten Beiträge erst im Alter von ca. 90 Jahren in Form der monatlichen Rentenauszahlungen zurück – und kommt erst dann in die Gewinnzone. Gesunde Ernährung und Sport sind dann unabdingbar (schaden aber auch so nicht) 😊.
Da ich ja, wie eingangs erwähnt, von Riester/Rürup alles andere als überzeugt gewesen bin, saß ich nun grübelnd in diesem Seminar und dachte mir: Mist, hat der etwas recht?
Und da ich es genau wissen wollte, rechnete ich zu Hause nach – mit ungefähr demselben Ergebnis. Und nun? Alle meine Kunden anrufen und Riester/Rürup verkaufen? Meinen Chef hätte es gefreut.
Nein, ich habe es erstmal selber getestet. Damals hatte ich noch nicht meinen Abschluss als Certified Financial Planner und auch nicht die entsprechende Software. Also, Selbstversuch. Und ich muss sagen, die Steuererklärung im darauffolgenden Jahr zu erstellen hat mir noch nie so viel Spaß gemacht!
Als dann die Steuererstattung kam, stellte ich fest, sowohl der Referent als auch mein Steuerprogramm hatten Recht: Riester/Rürup rechneten sich plötzlich. Vorher auch schon, aber oft hilft ja eine geänderte Betrachtungsweise und man merkt, dass es jedes Mal wichtig ist, alle Faktoren zu berücksichtigen. In diesem Beispiel war es die Steuerrückerstattung, in anderen Themengebieten kann es der mögliche Verlust der Arbeitskraft sein oder die Überlegung, ob ich einen voll-replizierenden ETF kaufe oder doch einen Swap-basierten (s. Artikel vom Freitag, 07.08.2020).
Um zum Ende zu kommen: Ich möchte jetzt nicht den Aufruf starten, dass ihr alle sofort einen Riester/Rürup abschließen sollt, obwohl es überlegenswert wäre, sich mal die Vorteile inkl. Steuererstattung berechnen zu lassen (Glückwunsch an die, die bereits einen haben- wenn die Sparraten in Fonds fließen).
Mein Fazit hieraus ist: Es macht immer Sinn, alle Seiten einer Medaille zu beleuchten und, bevor ihr eine Entscheidung über eine einzelne Versicherung/Anlage tätigt, ein Gesamtkonzept zu erstellen. Entweder selber oder mit Unterstützung fachkundiger(und unabhängiger!) Hilfe.
Hier verweise ich gerne an den FPSB. Dort sind die in Deutschland zugelassenen Certified Financial Planner (CFP) registriert und müssen auch in regelmäßigen Abständen nachweisen, dass sie sich fortlaufend Weiterbilden und auf dem aktuellsten Stand sind.
Über diesen Link findet ihr einen CFP in eurer Nähe (mich findet ihr dort auch und ich arbeite deutschlandweit 😊):
Verzeichnis der Certified Financial Planner in Deutschland

Viele Grüße und viel Erfolg beim Aufbau eures Wohlstandes – ihr habt ihn euch verdient!

Euer Wohlstandsmentor
Klaus Zwingmann (CFP®-Professional)


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